The Fog Of War – „We see what we want to belief“

Schöner Film und eine sehr beeindruckende, erschreckende Dokumentation über Robert McNamara und die großen amerikanischen Kriege im 20. Jahrhundert. Es ist ein fast sympathischer, reflektierter Mensch, der dort zu Word kommt, Wissenschaftler, Ford-Manager und dann Secretary of Defense unter Kennedy sowie LBJ während der Kuba-Krise und des Vietnam-Krieges. Und die Kommentare dieses auch extrem kontroversen Menschen schüren mitunter den Hals zu, auch weil der Film ihn weitgehend unwidersprochen berichten lässt. Es ist ein beeindruckend ruhiger, unaufgeregter Film mit erstaunlichem Original-Ton- und Bild-Material und einem hypnotisierenden Soundtrack von Philip Glass. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass viele der prägenden, politischen Ereignisse des letzten Jahrhunderts das Ergebnis von Zufällen waren. Und dass wir nicht alles wissen und vermutlich auch niemals alles wissen werden. Und das ist vielleicht das größte Verbrechen.

Kleines Serien-Update

Kleines Serien-Update

Beim Durchschauen alter Klickzahlen ist mir der letzte (Serien)-Post aufgefallen, den ich dann doch vor dem Verschwinden retten wollte. Allerdings fordert er auch Widerspruch heraus. Denn einerseits ist es süß, die eigene Faszination gegenüber dem Serien-Schauen – „close watching“ – zu sehen, andererseits sind neue Serien dazu gekommen, die erwähnt werden müssen.

True Detective (IMDB) – das beeindruckendste Filmwerk, das ich seit langem gesehen habe. Düster, nachdenklich, schauspielerisch beeindruckend und zum Nachdenken anregend ist diese Kurzserie um zwei Polizisten in den Südstaaten und ihre Suche nach einem Massenmörder in den 90er Jahren ein durch und durch beeindruckendes Kunstwerk. Jede der 8 Episoden war hervorragend und meine Vorfreude (und damit die Fallhöhe) für die bald erscheinende zweite Staffel ist gewaltig.

House of Cards (IMDB) – die tolle und zutiefst zynische Netflix-Serie mit dem wunderbaren Kevin Spacey. So durchtrieben, rein macht- und ego-gesteuert und gleichzeitig zutiefst unmenschlich wünscht man sich den Politik-Betrieb, denn alles andere wäre noch deprimierender. Wie sich Francis Underwood langsam zum Präsidenten der USA intrigiert ist sehenswert. Leider sind ein paar wirklich übertriebene „turns“ im Plot, die Glaubwürdigkeit rauben. Trotzdem absolut sehenswert.

Modern Family (IMDB) – ist eine unterhaltsame Comedy im konsumfreundlichen 23-Minuten-Format. Anfänglich wirklich witzig geht es in den späteren (und heute insgesamt sechs) Staffeln etwas repetitiv voran. Aber die Story um den knorrigen Alten mit der jungen Latina-Frau, seine beiden Kinder – eine Trophy-Frau mit ihrem den väterlichen Ansprüchen nie genügenden Ehemann und ein schwuler Sohne mit Lebenspartner und Adoptivkind – ist erfrischend. Und immer wieder schön ist Ed O’Neil, der alte Haudegen Al Bundy aus „Eine schrecklich nette Familie“ als reiches Familienoberhaupt anzusehen. Vielleicht ist alles etwas zu sehr auf das pädagogisch korrekte und absolut harmonische Gute-Laune-Ende ausgerichtet, aber Spaß macht sie trotzdem.

[Update] Ich habe „The Honorable Woman“ total vergessen (IMDB) – Eine britische, achtteilige und wahnsinnig komplexe Miniserie über eine jüdische Familie aus Großbritannien und den  Nahostkonflikt. Die ersten Episoden sind wirklich nahezu undurchschaubar, aber gegen Ende klärt sich alles auf. Nur leider fangen dann die an sich großartigen Schauspieler in ihren eindimensionalen Rollen an zu nerven. Irgendwann haben mich die Rehaugen von Maggie Gyllenhaal und der Hundeblick von Stephen Rea auf den Zeiger. Trotzdem sehenswert.