Es geht in kleinen Schritten, aber immerhin geht es, und zwar voran. Die nächste Kurzgeschichte aus „Tapetenwechsel“ ist  erschienen und trägt den Namen eines Restaurants in Kompong Cham, das mich zusammen mit dieser bis hin zur Langeweile entspannten Stadt am Mekong zu dieser Geschichte inspiriert hat. Kompong Cham war nur ein kleiner Abstecher auf unserer Reiseroute durch Thailand und Kambodscha, aber ich wollte unbedingt dorthin, denn es hab laut dem Lonely Planet dort nichts zu sehen. „Man kann diese Stadt für Tagesausflüge in die Umgebung nutzen“, wurde vorgeschlagen, aber ich wollte etwas anderes sehen. Mir stand nach Siam Reap und vor der Hauptstadt nach zwei entspannten Tagen, in denen ich das „normale“ Leben der Khmer beobachten konnte.

Mein Besuch war ganz anders, als die Kurzgeschichte es vermuten lässt, aber der in Kambodscha allgegenwärtige Sextourismus, die Überheblichkeit vieler westlicher Touristen und die stille Höflichkeit der Khmer haben es wie VanDeth und das Lazy Mekong Daze (das in Realität ganz anders aussieht) in den Text geschafft. Es gab in Kompong Cham wirklich nichts zu sehen, aber unser fantastischer und sehr freundlicher Rikscha-Fahrer VanDeth hat es sich nicht nehmen lassen, uns in ein Lotusfeld zu fahren, wo wir uns mit Lotusfrüchten satt essen durften, nachdem er verstanden hat, dass wir noch nie in unserem Leben eine Lotusblüte gesehen haben. Auch dieser junge, immerzu studierende und bitter arme Rikscha-Fahrer war wichtig, für diese Geschichte, aber die Hauptfigur ist ein Mann, der nur mit seinem Nachnamen genannt wird. Borrmann ist Entwicklungshelfer und bereits viel zu lange in diesem Land. Aber wie viele der Expats, die in fremden Ländern leben, hat auch er Gründe, warum er es nicht schafft, sein Leben zu verändern.

Und so geht es los:

„Die Sonne spiegelte sich wie irre auf der Wasseroberfläche des überhaupt nicht träge dahin fließenden Flusses, und die Wellen der Motorboote warfen Blitze wie ein zerbrochener Spiegel im Scheinwerferlicht. Lichtstrahlen stachen ihm in die Augen und er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Mitten auf dem Fluss zog ein Fischer auf einem langen, absurd schmalen Boot eine braune Furche ins Wasser. Der junge Mann stand aufrecht vor dem obszön großen und offen daliegenden Motor, der das Boot trotz seines ungefilterten Knatterns nur langsam, aber wenigstens kraftvoll gegen die Strömung an schob. Das Boot drückte sich unter der riesigen Betonbrücke hindurch, über die seit wenigen Jahren der Verkehr rauschte. Das Monstrum hatte den Nordosten des Landes zugänglich gemacht, aber auch das gesamte Fährgeschäft auf über einhundert Flusskilometern zum Erliegen gebracht. Es war früh am Morgen und bereits viel zu heiß.

„Ich habe diesen Zweifel so satt“, sagte sie zu ihm. „Ich habe diese Gesichter im Fernseher so satt, dieses ewige Lachen macht mich spröde. Die warten nur darauf, dass man ihnen den Rücken zudreht.“ Er zuckte mit den Schultern. „Die planen etwas“, fuhr sie fort, „ich weiß das genau. Frag mich nicht woher. Ich kann es nicht erklären, aber ich weiß das. Die können mir nichts vormachen. Ich kenne diese Masche zu gut.“ Sie lachte trocken und dabei dröhnte es hohl und leer im offensichtlich von der Malaria geschwächten Körper. „Ich kenne das alles viel zu gut.“ Sie blickte durch das leere Café und nährte ihren Mund verschwörerisch nah an sein Ohr…..“

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