Ich stelle also fest, dass es noch einen Restglauben in mir gibt, einen winzigen Funken, eine Überzeugung, dass nicht alles vor die Hunde gegangen ist, denn nur so kann ich es mir erklären, dass ich nach der Meldung auf SPON zu Revision des Prozesses um die Anti-Nazi-Demo in Dresden noch verärgert sein kann. Da wurde also ein nicht vorbestrafter Mann zu zwei Jahren Haft verurteilt, obwohl der Hauptbelastungszeuge den Mann entlastet hat, obwohl die Polizei vor Ort den Mann nicht erkannt hat, obwohl auf dem vorliegenden Videomaterial der Mann nicht zu erkennen ist. Das ist schon schlimm und legt den Verdacht nahe, dass in Dresden mehr ein politischer motivierter Prozess abgehalten wurde. Richtig übel wird mir, wenn ich lese, dass  Videomaterial von der Staatsanwaltschaft manipuliert und entlastendes Material zurückgehalten wurde. Hier geht es um einen Prozess gegen einen Nazi-Gegner.

In Thüringen präsentierte der NSU-Untersuchungsausschuss das Resultat seiner Arbeit. Es geht um den Kampf gegen rechte Gesinnung und das Ergebnis hätte schon jeden Restglauben zerstören müssen. „Die Behörden haben nicht nur versagt, sie waren nicht nur unfähig. Sie waren offenbar dazu fähig, die Ermittlungen und die Ergreifung der Verbrecher bewusst fahrlässig oder bedingt vorsätzlich zu verhindern. Es gibt, so der Bericht, „den Verdacht gezielter Sabotage“. („Die schlimmste Entdeckung in der Geschichte der Republik“, SZ vom 22.8.14).

Ich muss beides zusammen denken, aber das Vorurteil einer überparteiischen, politisch unabhängigen Justiz und Polizei sitzt tief in meinem Kopf. So lange sie nicht existiert, muss der Restglauben daran weg. Und es müsste daran gearbeitet werden, sie wieder zu erlangen, die unabhängige Polizei und Justiz, an die ich  glauben kann.