Ein weiterer Text, der im frühen Jahrtausend entstanden ist. Aber hier sind nur die Fußballbeispiele historisch, die Geschichte ist zeitlos.

Es herrscht Beziehungsfrust und eine Fußballübertragung bietet Gelegenheit für zwei befreundete Akademiker, wieder einmal ihre Probleme bei einem Glas Martini zu diskutieren. In einer kalten Märznacht trinken sie sich ihre Sehnsüchte und Träume schön. „Ciao Bella“ beschreibt die Metamorphose eines Intellektuellen zum Italiener und ist eine ironische Abrechnung mit der sehr deutschen Sehnsucht nach dem Süden.

So geht es los: „Ich konnte nur noch Martini anbieten. Der Whisky hatte die richtungweisende aber schwermütige Zukunftsplanung in der vergangenen Woche nicht überlebt. Und das dänische Starkbier musste bei der Fußballübertragung Bayern München gegen Inter Mailand vor zwei Tagen für die richtige Stimmung sorgen. „Auch gut“, war seine Reaktion. Wir mussten uns wieder einmal über die angesammelten Unzufriedenheiten austauschen. Sein nicht vorhandenes Beziehungsleben musste bedauert und meine ständigen, viel zu kurzen Affären wollten beklagt werden. Wir saßen wieder einmal in meiner Küche, an einem dieser Abende, die beinah schon zum Wochenende gehören. Draußen wehte einer kräftiger Wind, der Nachhut des Winters oder Ankündigung des Frühlings sein konnte. Vor uns stand eine halbe Flasche Martini, extra dry, unverschraubt, ready-to-go. Wir waren gewappnet, bereit einen schonungslosen Blick auf unsere Leben zu werfen.

Ich stellte als Gesprächseröffnung eine allgemeine Bemerkung über die Beziehungsschwierigkeiten im neuen Jahrtausend in den Raum. Das erfüllte seinen Zweck, denn unser Thema stand fest und es ging erst einmal nur darum, einen Einstieg zu finden. Die Zungen zu lockern und die Gesprächszentren zu stimulieren. Wir kreisten einige Zeit um die Unmöglichkeit langfristiger Bindungen, verstanden als Phänomen eines postmodernen und daher unpolitischen und im Endeffekt auch ziellosen Individuums. Dann wechselten wir zu dem vor einigen Tagen gemeinsam angesehenen Kinofilm, der diese Thematik aufgriff, aber nur mangelhaft darstellt und leider gar keine Erklärungen lieferte. Anschließend verrannten wir uns in einer Skizze über die Vorzüge des europäischen und asiatischen Kinos gegenüber dem angloamerikanischen im Bezug auf das Narrative. Schließlich verzettelten wir uns vollkommen in einem Versuch, das lateinamerikanische Kino und Volker Schlöndorff in eine kausale Beziehung zu bringen. Die Zigarillos qualmten, der Martini floss. Es war herrlich…“

„Ciao Bella“ gibt es zum Preis von 0,49 Euro z.B. beim Amazon, iTunes und anderen bzw. bei der Anmeldung zum Newsletter auch ganz umsonst.