Manchmal hält das Leben wirklich merkwürdige Zufälle bereit, so etwa dass ich vor kurzem angefangen habe, „Das Labyrinth der Ratten“ (engl. The Zap Gun) von Philip K. Dick zu lesen. Das hat meinen Blick auf die Krise in der Ukraine nachhaltig beeinflusst. Passenderweise zeichnet sich in der deutschen Qualitätsmedienlandschaft gerade eine kleine Krise ab. So ist es interessant zu beobachten, wie z.B. auf SPON die gefangenen „OSZE-Beobachter“ langsam und kommentarlos zu Militärberatern werden. Und so geht es ja schon seit Jahren. Da wird der absurde Narrativ von einer „Staatsschuldenkrise“ und dass „Deutschland Europa rettet“ und „es geht uns gut“ wie ein Mantra wiederholt und erst in letzter Zeit eine wenig kritisch beäugt. Bei der Berichterstattung zur Ukraine dagegen wird von Anfang an bemängelt, dass sie zu einseitig auf den simplen Narrativ des irren bzw. bösen russischen Aggressors beschränkt ist. Spannend zu beobachten, dass die deutschen „Q“-Medien gerade erst anfangen zu lernen, dass sie die Meinungshoheit an das Internet verlieren.

Aber zurück zum „Labyrinth der Ratten“, einem Roman über einen (Kalten) Krieg: ein Westblock kämpft gegen einen Ost-Block, und weil es ein Science-Fiction ist, gibt es auch besiedelte Planeten, aber das spielt eigentlich keine Rolle. Hauptfigur des Romans ist der Waffenerfinder Lars Powderdry, der in Trance neue Waffen ersieht, die dann von der eifrigen Waffenindustrie gebaut und eingesetzt werden. Der verheerende „Erfolg“ dieser Waffen wird dem Publikum dann im Abendprogramm präsentiert. (So weit sind wir in der Ukraine zum Glück noch nicht, auch wenn die Bericht über militärische Bedrohungs-Übungen durchaus beunruhigend sind.)

Aber es gibt ein schmutziges Geheimnis hinter dem Krieg: er gibt nämlich gar keinen, und es gibt auch gar keine Waffen. Dafür gibt es eine Vereinbarungen zwischen den Blöclen und auch einen regen Austausch, der aber von der Bevölkerung geheim gehalten wird. Die erfundenen „Waffen“ werden zu elaborierten Spielzeugen umfunktioniert und die gezeigten Videos werden mit Androiden in Szene gesetzt. Dieses Schauspiel wird von einer kleinen Elite aufgeführt, um die Massen glücklich und ruhig zu halten und es funktioniert auch recht gut, bis plötzlich unbekannte Satelliten im Erdorbit auftauchen, die von den bestehenden Waffen nicht bekämpft werden können. Der Bevölkerung droht eine Versklavung von Außerirdischen. Und wie diese Bedrohung dann bekämpft wird, ist eine an Zynismus kaum zu überbietende Wendung der Geschichte, die man wiederum als Allegorie auf unsere modernen Massenmedien lesen kann.

Diese schnelle und nicht all zu lange Geschichte klingt toll und das ist der Hauptgrund, warum ich das Buch gerne gelesen habe und empfehlen kann. Denn sprachlich ist der Text wenig beeindruckend und technisch simpel. Die Figuren bleiben flach, dafür ist der Plot an einigen Stellen etwas zu sehr gedehnt. Man merkt auch die historische Distanz zu diesem Text aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, der für meinen Geschmack ein wenig zu selbstverliebt mit Abkürzungen und Namen spielt.

Trotzdem ist es eine schöne und vor allem spannende Lektüre, nicht nur für Science-Fiction-Fans, denn für sie ist der Roman bereits zu sehr von der Realität eingeholt. Dafür macht es Spaß den Kalten Krieg als Schauspiel einer Geldelite und als Unterhaltungsmedium der Bevölkerung zu lesen.