Zurück von einem Ausflug in mehrfacher Hinsicht: nach Schwerden, ins Krimi-Genre und in die 70er Jahre. Und alles auf Empfehlung eines Freundes und weil ich mich mal wieder mehr mit Krimis beschäftigen wollte. Und diesem Gedanken ist es dann auch zu verdanken, dass ich „Alarm in Sköldgatan“ bis zum Ende gelesen habe, denn nach etwas mehr als der Hälfte ist sowohl mir, als auch dem Buch deutlich die Luft ausgegangen.

Aber es ist einfach einen Krimi zu kritisieren („krimisieren“ drängt sich greadezu auf), der schon so viele Jahre hinter sich hat. Erstaunlich eher, dass er mich auch heute noch, zumindest anfänglich, fesseln konnte.

Das liegt zum einen am schönen Auftakt – die ersten beiden Kapitel sind für mich auch die besten des ganzen Buches: da erschießt sich ein Mann und hinterlässt nur auf einem Zettel den Namen des Kommissars. Und kurze Zeit später explodiert ein Haus, das seit geraumer Zeit unter Beobachtung steht. Danach beginnt die Polizeiarbeit und damit leider auch der langsame Teil des Buches.

Nun mag ich ruhige Geschichten eigentlich, nur leider sind Martin Beck und seine Kollegen – es gibt eine ganze Krimireihe von Maj Sjöwall und Per Wahlöö – weder sonderlich interssant noch sympathisch. Und auch die Geschichte kann auf Dauer nicht wirklich faszinieren, gerade weil die neuen Impulse der Geschichte meist als Deus-Ex-Machina geliefert werden, d.h. einfach so und ohne Vorwarnung auftauchen.

Für mich war das Spannendste und Lustigste einen Krimi aus den 70er Jahren zu lesen, mich auf das reduzierte Tempo einzulassen und die geruhsame Plotentwicklung. Es gibt so viele Momente, in denen die historische Distanz deutlich wird, Probleme die heute mit einen Blick in den Computer oder einer Online-Recherche blitzschnell zu prüfen wären haben damals tage- mitunter wochenlange Ermittlungsarbeit erfordert. Es werden Berichte an Interpol geschickt und erst Wochen wird eine Antwort wie „die Fingerabdrücke sind bekannt“ zurück geliefert. So langsam das alles, so gemächlich, so gemütlich. Und wo ich heute die Auswertung von Überwachungskameras erwartet habe, wird viel mit Personen gesprochen und von ihnen erinnert.

Das Erstaunlichste an diesem Krimi ist die Selbstverständlichkeit, mit der sich Figuren im Buch noch nach einem halben Jahr an ein Gesicht erinnern können – einen bestimmten Fahrgast auf einer Fähre zum Beispiel. Keine Ahnung, ob das als Gedächtnisleistung damals realistisch gewesen ist und diese Fähigkeit inzwischen einfach verschwunden ist bzw. an die Computer delegiert wurde. Nur könnte man das heute so nicht mehr schreiben.

Aber zurück zum Buch. Die Entwicklung der Story ist sprunghaft, oft geschieht über lange Strecken gar nichts, dann kommt aus dem Nichts ein neuer Hinweis. Auch warum die Figuren so hartnäckig an der Bearbeitung des Falles bleiben, wird niemals klar. Die Auflösung kommt dann ebenso überraschend wie vorher diverse Entwicklungen und das Ende der Geschichte fühlt sich arg konstruiert an und passt so gar nicht mehr zur Story davor. Aber genug gemeckert.

Fazit: Mit Flower-Power-Musik lässt sich dieser Ausflug ins verknöcherte Schweden der 70er Jahre aushalten. Ist aber weniger als Krimi und mehr aufgrund der historischen Distanz interessant.